IP54 oder
IP55?

Aktualisiert:

Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden häufigsten Schutzarten für Schaltschränke und Outdoorgehäuse — und welche brauchen Sie wirklich? Kurz und verständlich erklärt nach EN 60529.

Die IP-Schutzart in 30 Sekunden

Die IP-Schutzart (International Protection) nach EN 60529 besteht aus zwei Kennziffern. Die erste steht für den Schutz gegen Fremdkörper und Staub, die zweite für den Schutz gegen Wasser.

IP 5 _
1. Ziffer = 5: staubgeschützt (kein funktionsstörender Staubeintrag)
IP _ 4
2. Ziffer = 4: Schutz gegen Spritzwasser aus allen Richtungen
IP _ 5
2. Ziffer = 5: Schutz gegen Strahlwasser (Düse) aus allen Richtungen

Bei IP54 und IP55 ist die erste Ziffer gleich (beide staubgeschützt). Der einzige Unterschied ist die zweite Ziffer — der Wasserschutz.

IP54 vs. IP55 im direkten Vergleich

EigenschaftIP54IP55
Staubschutz (1. Ziffer)5 – staubgeschützt5 – staubgeschützt
Wasserschutz (2. Ziffer)4 – Spritzwasser5 – Strahlwasser
Prüfung WasserSpritzwasser aus allen RichtungenStrahlwasser aus Düse (6,3 mm) aus allen Richtungen
Reinigung mit SchlauchEingeschränktGeeignet (leichtes Abspritzen)
Typischer EinsatzIndustriehallen, trockene/wettergeschützte BereicheRauere Umgebung, Strahlwasser-/Schlagregen-Nähe
ZPAS-BaureiheSZE2, PSL, SZD (Outdoor)SZE3 (Standard), SZE2 mit Bodendichtung, SZD auf Anfrage

Wichtig: Weder IP54 noch IP55 ist vollständig staubdicht (das wäre Kennziffer 6, z. B. IP65) und keiner schützt gegen Untertauchen. Die volle Tabelle aller IP-Stufen finden Sie im Ratgeber IP-Schutzklassen.

Welche Schutzart brauchen Sie?

Bei ZPAS: SZE3 ist standardmäßig IP55, SZE2 ist IP54 (IP55 mit Bodendichtung). Die Outdoor-Serie SZD ist IP54, auf Anfrage IP55. Steuerpulte PSL: IP54. Wandgehäuse SWN: IP65.

Bei Outdoorschränken zählt die Konstruktion mehr als die IP-Ziffer

Ein verbreiteter Irrtum: Je höher die IP-Zahl, desto „outdoor-tauglicher". In Wahrheit beschreibt die IP-Prüfung einen Laborversuch mit definiertem Spritz- bzw. Strahlwasser — nicht das echte Wetter. Draußen geht es um Regen von oben, Schlagregen, Schnee, UV und vor allem um Kondensat. Über Jahre entscheidet deshalb nicht die zweite IP-Ziffer, sondern wie der Schrank konstruiert ist — vor allem, wie das Wasser geführt wird und wieder abfließt.

Worauf es bei einem Outdoorgehäuse konstruktiv wirklich ankommt:

Ein gut konstruierter IP54-Outdoorschrank mit abgesetztem Dach, sauberer Wasserführung und Kondensat-Management ist im realen Dauerbetrieb robuster als eine schlecht konstruierte Box mit höherer IP-Zahl. Für die allermeisten Outdoor-Anwendungen reicht IP54 daher vollkommen aus — die höhere Schutzart ist nur dort sinnvoll, wo tatsächlich mit gezieltem Strahlwasser (z. B. Reinigung per Schlauch) zu rechnen ist. Der wetterfeste ZPAS Outdoor-Schaltschrank SZD ist genau auf diese Konstruktionsprinzipien ausgelegt.

Mehr zum Thema: IP-Schutzklassen komplett (IP00–IP69) · Schaltschrank gegen Staub schützen · Aluminium, Stahl oder Edelstahl?

Über den Autor

Joachim Hennig · Vertriebsleiter, ZPAS Deutschland

Joachim Hennig ist Vertriebsleiter bei ZPAS Deutschland in Leipzig. Er berät Kunden aus Industrie, IT und Telekommunikation bei der Auswahl von Schaltschränken, Serverschränken und Outdoorgehäusen — vom Standardgehäuse bis zur Sonderkonstruktion.

LinkedIn-Profil →  ·  joachim.hennig@zpasgroup.de

Nicht sicher, welche Schutzart Ihr Projekt braucht?

Sagen Sie uns Aufstellort und Umgebungsbedingungen — wir empfehlen die passende Schutzart und Baureihe. Direkt vom Hersteller.

Anfrage senden    Schrank konfigurieren
Diese Seite teilen: in X f